|
Alamaailman Vasarat & Tuomari Nurmio "Kinaporin Kalifaatti" (Broken Silence, nordic notes, VÖ: 27.03.2009)
|
Das (vokale) Album der Zusammenarbeit der finnischen Gesangslegende Tuomari Nurmio (=Judge Bone) mit den Düster-Folk-Polka-Brass Spezialisten Alamaailman Vasarat, vor ein paar glitzernden Jahren eingespielt und längst seine szenebetäubenden Schleifen ziehend, gibt es nun ganz und gar offiziell auch in deutschen Landen. Ganz ehrlich: mir gefallen die instrumentalen Alamaailman Vasarat besser. Ich habe die drei instrumentalen Platten und die Band auf der Zappanale live gesehen, wo sie wie die Berserker auf der Bühne agierten, Wahnsinn vertonten und eine Lebenslust entwarfen, die das ganze Auditorium in Trance schickte.
Songwriter Tuomari Nurmio hat allerlei Begleitung gehabt, diese ist gewiss eine der erlesenen. So betrachtet ist die Platte ein Geheimtipp.
Damit nicht genug habe ich die Scheibe jetzt einige Runden drehen lassen, Auto, Arbeitsplatz (cool, wa!?!) und heimische Boddenhinterlandbude bedröhnen lassen, bis ich weggefegt war. Finnische Säufer geben sich wie ein Beerdigungsensemble in Jazztown, das düster und lebensfroh zugleich klingt. Die finnische Folklore vereint Polka, Wodka, Naturmythen, Klezmer, irre Typen und eine Lebensart, die nicht aus ernsthaft angestrengten europäischen Großstädten kommen kann, wo nur zählt, wer am Monatsende am meisten auf der Kante hat.
Die Instrumentierung: Saxophon, Akkordeon, Cello, Tuba, Posaune, Trompete, Piano, Pump-Orgel, Schlagzeug, Bass - und die süffigen Arrangements der finnischen Musikkünstler machen diesen grandios fröhlich-traurigen Charakter lebendig, der einfach hinreißend ist.
Was einst als Höyry Kone im durch King Crimson inspirierten Progressive Rock begann, ist längst Düster-Folk mit noch immer einigen restlichen Prog-Prisen und immer noch und wieder fabelhaft gut.
Die Songs sind eingängig und nachvollziehbar, emotional hinreißend, zum Schwelgen und Eintauchen einladend. Hört nur die instrumentale Knarzigkeit in "rivattu" oder das Cello in "laulu no. 101", das dicke, harte Wikingerschiff-Planken gefährlich zum knarzigen Knacken bringt. Einzigartig, die Sounds der begnadeten und, mit Verlaub, total verrückten Band.
Tipp: geht nie mit der Band saufen. Der nächste Tag ist tot. Und sie lächeln dich mit rosigen Wangen an, in freudiger Erinnerung des kleinen Umtrunks…
vasarat.com
nordic-notes.de
VM
Zurück
|
|