Ajalon "This Good Place" (ProgRock Records, VÖ: 17.11.2009)

Ajalon ist ein Altherrentrio, das sich und der Welt nichts beweisen will und nur spielt, wozu es Lust und Laune hat, und es dabei verschmitzt dick hinter den Ohren hat. Melodischen Progressive Rock der eingängigen, harmonischen Sorte.
Will Henderson (voc), Randy George (g, key, b, Bodhran) und Dan Lile (dr, perc) waren schon an allen möglichen guten Projekten beteiligt, haben mit Steve Hackett, Adrian Belew, Paul Gilbert, Neal Morse, Mike Portnoy, Michael Manring und Phil Keaggy gearbeitet und stehen nun mit ihrem dritten Album an.
Das klingt zuerst sympathisch. Die schönen Chorgesänge, die Will Henderson fast allein eingesungen (mit partieller Unterstützung im Backing Bereich, daneben ist er in einem Vokalsong nicht von der Partie, wird von Rick Altizer vertreten) und Spur für Spur aufgenommen hat, die kraftvollen Gitarren-, Bass- und Keyboardparts, das deftige, etwas trocken und licht eingemischt Schlagzeug - hier ist ein begabtes, geübtes Trio am Werk, das gute Ideen lebhaft verarbeitet. Mitte der Siebziger wäre das Melodic Rock gewesen, heute spricht man wohl von Progressive Rock der symphonischen Schule.
Die Texte, im Booklet abgedruckt, sind kritisch, mitmenschlich ohne zu menscheln, sprechen Träume an, gebrochene Lebenswege, Einsamkeit und weltweit auftretende Probleme der modernen Zivilisation, Probleme des Einzelnen, der Umgang der Menschen miteinander, das Abgrenzen voneinander - ohne moralistischen Unterton, aber mit Finger auf der Wunde. Liest sich übrigens gut, die von verschiedenen Textern geschriebenen Lyrics benutzen einfaches Englisch, das nur marginale Voraussetzungen benötigt, um verstanden zu werden.
Die Songs, zwischen 4 und 7 Minuten lang mit 19-minütiger Ausnahme, sind technisch und emotional ausgewogen gespielt, besonders radikale Ideen gibt es nicht, aber viele interessante Soli, übrigens auch von einigen Gastmusikern, deren Einsätze im Booklet verzeichnet sind. Da flippt Schlagzeuger Dan Lile schon mal heftig aus, Fred Schendel (Glass Hammer) spielt ein rasantes Moog-Solo, die Band baut komplexes Interplay aus, rasante Partien, die fast zu Jazz mutieren, donnern, vor allem im instrumentalen "abstract malady" heftig ab, und hinreißende Gitarrensoli hat ein jeder Song, mancher gleich mehrfach.
"This Good Place" ist ein fabelhafter Titel für ein traumhaftes Album, das seine Inspirationsquelle mit dem aktuellen Neal Morse schnell verrät, aber seinen eigenen Sound hat. Geht gut ab, macht vokal und instrumental Laune, und die paar blechernen Pappkeyboardsounds hier und dort sind leicht hinnehmbar, bei der starken Begleitung in Rhythmus und der Gitarre.

myspace.com/ajalonband
progrockrecords.com
VM



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