Ahleuchatistas "Even in the Midst" (Cuneiform Records 09/2007)

Die 12 Songs des neuen Ahleuchatistas Albums "Even in the Midst" wurden in vier Studios von Juli 2005 bis Januar 2007 aufgenommen. Doch so weit auseinander die Aufnahmedaten, so stiltreu die Band. Derek Poteat (b), Shane Perlowin (g) und Sean Dail (dr) spielen einen anarchischen Avant-Punk-Prog-Jazz-Rock, der seinesgleichen sucht. Inspiration hat das Trio sicher im stilistischen Erbe King Crimsons gefunden, allgemein in Math Rock, Metal und Punk, konkret gewiss (auch) in dem japanischen (derzeitigen Einmann)-Unternehmen Ruins.
Gewiss geht der Horizont des Trios viel weiter, und letztlich ist es die eigene Kreativität, die das Trio anstiftet, diese krumme, krude, eigenwillige und komplexe Rock-Architektur zu gestalten.
Die 12 Stücke sind relativ unnahbar, die Themen lassen sich schwer merken, sind in keinem Part eingängig, wenn sie auch nicht die extremste Komplexorgie sind. Es ist dieser eigenwillige, harte Stil, der die Band prägt, den die Band prägt, der nüchtern, kühl und intellektuell klingt und keine emotionalen Bezugspunkte zulässt.
Das Trio geht in seinen Songs wie im Freejazz vor. Alle drei Musiker arbeiten sich unabhängig durch ihre Songs, alle arbeiten dabei melodisch. Mal gemeinsam und miteinander, mal aneinander vorbei, mal gegeneinander spielend, arbeiten Ahleuchatistas schräge Disharmonien, unharmonische, atonale Melodiefolgen, jazzgeprägte, rotzige und harte Punkrockattacken - die wie Maschinengewehr klingen. Der Bass ist laut und hart, die Gitarre vordergründiger und dabei leiser (!), tonal und melodisch jazztrunken, das Schlagzeug hat keine Pause, nie. Diese Attacken sind wie Schlachten, erst wenn das Motiv ausgeschlachtet ist, geht die Band ans Ende und nimmt sich die nächste Idee vor.
Anders aber als die eher konkreten King Crimson Nachfolger, die ins progressive Feld drängen, gehen Ahleuchatistas, der Name ist Programm, zum Kampf über. Schönklang, Harmonie, Melodie - das sind die Feinde der Band. Es gibt keine ausgedehnten Themen, keine komplexen Harmoniefolgen. Das Gegenteil ist der Fall, die Band zerhackt ihre längste Idee in kurze Stücke, die dann wie zusammengenähte Unfälle klingen. Macht Spaß, diesem Krawall zu lauschen. Ermüdet aber auch und greift das Nervenkostüm direkt an.
Wer das als Humor auffasst, und viele werden das gewiss nicht so verstehen wollen, kann sich die Musik schöndenken. Musikalisch eher ungebildete Punkrocker werden nix verstehen, wenn sie diese kriegerischen Attacken hören und sofort nur eines denken: Jazzkrach! - und sich dem nächsten Billiglärm aussetzen.
Vielleicht sind am ehesten Freejazz-Gewohnte die passende Kundschaft für die Ahleuchatistas. Die denken an den tobenden späten John Coltrane und finden so ihre Parallele.
Insgesamt ist und bleibt die Band mit jedem Album ein Problemfall. Krachliebende haben es meist nicht so mit der Komplexität, und Komplex-Fans werden vor der atonalen Kühle und allgemeinen Strukturschwäche zurückschrecken.
Ein Spezialfall, ganz Cuneiform.

ahleuchatistas.com
myspace.com/ahleuchatistas
cuneiformrecords.com
VM



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