Ahleuchatistas "What You Will" (Cuneiform Records 2006)

Auf die Frage, wofür das Label Cuneiform steht, könnte man einfach auf Ahleuchatistas verweisen. Schon die ersten Töne des ersten Tracks zeigen das: eine Spur Nick Didkowsky aka Dr. Nerve, komplexe atonale Avantgarde, rhythmische Extravaganz, höllisch freies und doch rockbetontes Spiel, jazzige Freiheiten, instrumentale Eskapaden und intime Verspieltheit. Ahleuchatistas passen zu Cuneiform, wie der Lottogewinn zum Lottogewinner.
"Ah-Leu-Cha", so erklärt die Band ihren schwer eingängigen Namen, ist ein abgefahrener Song von Charlie Parker, wenn man das mit dem Wort Zapatistas (die ebenso cool sind) kombiniert, hat man "Ahleuchatistas". Da sind also schon mal zwei Einflüsse: Charlie Parker und Frank Zappa. Beide nur zwischen den Zeilen zu erfahren, teilen sie sich diese Position mit Progressive Rock, Punk, Math-Rock, Avant-Progressive.
Aber nichts an Ahleuchatistas, den Namen muss ich einfach ständig schreiben (weil er so cool ist), ist typisch. Die dreckigen Gitarren mit punkigem Klang sollen zum äußerst komplexen Rhythmus passen? Die durchstrukturierten Komplexextreme der verflixt themenreichen Kompositionen haben was mit Punk zu tun?
Ahleuchatistas arbeiten ihre Stücke nicht aus wie artverwandte Bands, etwa Canvas Solaris oder Spastic Ink. Ihre "Songs" sind verrückter, abstrakter, jazziger und schräger, weniger technisch, eher komisch und seltsam, sie klingen wie ein einziger großer Fehler, der perfekt gespielt worden ist. Alle 14 Stücke sind ein Mix aus abgedrehten Ideen, die unendlich viele agogische Zentren haben, stetig Rhythmus forcieren und entspannen, und das unscheinbar machen, als passiere ihnen das ohne Absicht. Als hätten Ahleuchatistas diese irre komplizierten und verrückt schnellen Kompositionen beim verkaterten Üben gefunden und seien selber überrascht von dem schrägen Zeug, überrascht, aber verblüfft und davon angetan und somit ganz bei der Sache.
Im Cuneiform-typisch langen Pressetext steht, dass die noch ganz jungen Knaben zuhause mit der Musik ihrer Eltern, Progressive Rock und Jazz, gefoltert wurden, schließlich aber lieber Punk für sich selbst fanden, aber über den Mahavishnu Orchestra - Einstieg wieder zu Musik zurückkehrten. "What You Will" ist mittlerweile bereits die dritte CD, die die Band veröffentlicht.
Fazit: Math-Rock, Speed-Rock, Avant-Punk-Progressive-Jazz in den Mixer getan, die Cuneiformiesierungstaste gedrückt und schon geht der Ärger los. Sean Dail (dr), Shane Perlowin (g) und Derek Poteat (b) haben ein schönes Stück Musik ausgebrütet.

ahleuchatistas.com
cuneiformrecords.com
VM



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