Adachi Kyodai "same" (Poseidon Productions 2003 PRF-004, FBGB 4495.AR)

Adachi Kyodai ist ein Akustik-Gitarren-Duo. Wer an Lagerfeuer-Romantik denkt, liegt verkehrt. Ryusuke Adachi und Source Adachi üben sich in teilweise extrem schnellem Spiel. Auch in die lyrischen Stücke bringen sie Extravaganzen und vitale Ideen ein, so dass man sie die phantasievollen Virtuosen unter den Akustikgitarristen nennen kann. Von den 12 Songs der CD sind 4 Stück Covers, die allemsamt weniger komplex, aufwändig und schön als die eigenen Stücke sind. "Mother Goose" und "Cheap Day Return" von Jethro Tull, "I Talk To The Wind" von King Crimson, "Spring Silky Shower Landscape" von AUSIA. Zudem haben sie eine Notation zu "When That I Was A Little Tiny Boy" von William Shakespeare eingespielt. Die weiteren Songs haben die Brüder geschrieben. Wer sich an "Friday Night In San Francisco" erinnert, das vom Gitarrengötter-Trio Di Meola, DeLucia und McLaughlin eingespielt wurde, wer sich noch an die Energie und das Feuer der Aufnahmen erinnern kann, der hat etwa eine Ahnung, wie Adachi Kyodai klingen. Das japanische Duo ist stilistisch ähnlich orientiert, ihre Fingerfertigkeit, Technik und Improvisationslust sind sehr hoch. Wenn Adachi Kyodai das Trio gewiss auch nicht übertrumpfen, so kommen sie der Qualität doch nahe. Ihre kreativen Saitensprünge und flinken Fingerübungen sind ein berauschendes Fest der Sinne, Vitalität und Energielevel sind stets sehr hoch. Pure Lust, Adachi Kyodai zuzuhören. Sicher wäre diese Musik eine Überraschung am Lagerfeuer, die dort üblichen Klänge gibt es hier aber nicht. Belanglosigkeit ist ein Fremdwort, Spannung die Devise. Nicht unbedingt spielt einer der beiden Brüder die Melodielinie, auf welcher der zweite sich improvisativ solistisch austobt, eher gerät so ein Song in seiner stürmischen Entwicklung soweit in die Improvisation, dass ich erst später bemerke, dass beide Gitarristen die Skalen in extremer Geschwindigkeit und lustvoller Variation des Themas bearbeiten. Wenn sich doch mal ein langsames Motiv findet, gehen die beiden schier ungeduldig zur Sache, ohne die Melancholie des Stücks zu zerstören. Jede Gitarre hat einen Stereokanal, so dass die Aufnahmen am wirkungsvollsten sind, wenn man sich genau vor/zwischen die Boxen setzt. Ich bin zwar kein besonderer Fan akustischer Gitarrenmusik, weil zumeist nichts aufregendes passiert. Das ist hier frappierender Weise anders. Tolle CD, kann ich gut empfehlen.
VM
geocities.co.jp/MusicStar-Drum/8042/a-bros/


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