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Absolute Zero "A Live In The Basement" "Crashing Icons" (Eigenveröffentlichung 2003)
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Absolute Zero sind Enrique Jardines (b, seit 1979), Aislinn Quinn (key, voc, seit 1987) und Pip Pyle (dr, seit 1999). Von den drei Musikern dürfte Pip Pyle als fester Bestandteil der Canterbury Szene am bekanntesten sein. Absolute Zero sind stilistisch Canterbury-inspiriert, wenn ihr Avantgarde Rock auch andere, weitere Aspekte aufweist.
"A Live In The Basement" von 1990 ist eine Mini-CD mit gerade 2 Songs, knapp 19 Minuten lang. Heftigen Avantgarde-Rock spielt das Trio, damals saß Paul Roger noch am Schlagzeug. Melodie bestimmend sind neben dem hart-komplexen Rhythmus Aislinn Quinn und Enrique Jardines, die wild und sehr frei musizieren. Unglaublich ausgeflippte Motive machen die Sinne frei und graben sich durch das Bewusstsein. Zu Beginn ist "Paradigms" noch liedhaft, wenn Aislinn ihre Stimme den Lyrics leiht. Die Gesangslinien sind schwer jazzverseucht und abstrakt. Doch nicht lange und abstrakte Läufe, sinnliche Disharmonien, radikale Rhythmuswechsel und -brüche und vor allem Heavy-Free-Jazz-Atonalitäten bestimmen das Geschehen. Dabei bleibt die Musik des Trios, trotz aller Radikalität, nachvollziehbar. "An I To An Eye" ist symphonischer, bombastischer. Aber auch hier werden bewusst "fehlerhafte" Noten gespielt. Zudem breitet sich ein geradezu magmaeskes Soundbild aus, wenn das wundervoll "schräge" Keyboardsolo von betonten Rhythmusbrüchen und heftigen Bassläufen untermauert und gebrochen wird. Ein exzellentes Stück, das unbedingt empfohlen werden muss.
5 Songs gibt es auf dem neuen Album "Crashing Icons", vier sind anwählbar, zwei gehen also ineinander über. Über 63 Minuten lang ist das Werk. Aislinn hat zwar einige Lyrics zu bewältigen - und sie tut dies hervorragend - die meiste Zeit jedoch sind die Stücke instrumental. Es gibt keinen Gitarristen, das Instrumentarium ist beschränkt, doch das ist kein Problem. "Bared Cross" (13.49) ist ein abstrakter Jazzrock, äußerst heftig und avantgardistisch. Als Opener der CD beginnt das Stück zuerst völlig chaotisch und wüst, findet nach circa 2 Minuten zu einem harten Chorus, in den Aislinn einen wundervollen, melodisch grandiosen Jazz-Gesang einbringt. Aber Vorsicht, der Gesang ist wahrhaft wundervoll, aber ebenso abstrakt und schräg! Nach einem fabelhaft-disharmonischen Keyboard-Solo findet "Bared Cross" wieder zur chaotischen Struktur zurück, lebendig und virtuos gespielt. Und dennoch herrschen kein Klangbrei, keine stupiden Typica vor. Absolute Zero verstehen es, sehr gut zu komponieren, dynamisch-rhythmische Konzentrationspunkte zu setzen, die Stille und Lärm berauschend verbinden. Schon der Opener ist ein absolutes Highlight. Von wegen "zero"... Das folgende "Further On" (20.45) schließt sich stilistisch nahtlos an. Die Struktur ist melodischer, wenn auch immer noch außergewöhnlich, sehr dynamisch und eigensinnig. Ein wohl nur genial zu nennendes Stück, keine Ahnung, woher die Musiker diese Ideen nehmen, die nicht eine Sekunde langweilig oder alltäglich sind, es muss an der Inspiration der Musiker, an ihrem ausgeprägten Sinn für vitale instrumentale Läufe, unendlicher Phantasie, ihrer Hingabe an eigenwilligen progressiven Avantgarde-JazzRock und ihrem intensiven Zusammenspiel liegen. Daran mangelt es dem Trio nicht. Die folgenden beiden Songs "Stutter Rock" (4.25) und "You Said (7.27) sind nur als ein Track angezeigt und nicht einzeln anwählbar. "Stutter Rock" präsentiert ziemlich zu Beginn ein inspiriert-geniales Jazz-Trompeten-Solo, wer das spielt, bleibt offen. "You Said" ist straighter. Zwar kommt die Trompete zu einem weiteren hervorragenden Solo wieder zum Vorschein, doch insgesamt überwiegt schwerer Heavy-Rock (im Vergleich zu "normaler" Rockmusik ist "You Said" aber nicht ein Stück straight). Das schwerfällig-düstere "Suenos Sobre Un Espejo" (16.46) schließt die CD ab. Die Gesanglinien sind traumhaft: düster, kraftvoll, lyrisch. Aislinn hat dafür die perfekt passende Stimme. Zum einen ist sie zart und hell, auf der anderen Seite durchaus zu lauten, harten Tönen in der Lage. Der düstere Jazzrock verläuft ziemlich zerstreut, nonchalant und dennoch schwer, düster und hart. Wüst und hoffnungslos ist die Stimmung, die doch wieder zu vitalen Instrumentalläufen aufbricht. Nicht nur allein Pip Pyles Schlagzeugspiel, äußerst dynamisch und komplex, ist hervorragend zu nennen. Enrique Jardines Bass ist melodisch zwar unterpräsent, dafür aber rhythmisch schwer aktiv. Zudem setzt der Bass harte, kraftvolle Eckpunkte, die das Geschehen aufrütteln und aus der eingefahrenen Spur bringen. Melodisch und überhaupt bestimmend ist das Keyboardspektrum von Aislinn Quinn. Die lässig-vitale Art ihres Spiels, ihr Einfallsreichtum und dynamisch-emotionales Gespür sind wichtige, wenn nicht die wichtigsten Kriterien von "Crashing Icons" und überhaupt Absolute Zero. Wieder einmal gilt: wer melodischen Neo Prog mag, wird mit Absolute Zero nicht glücklich. Old School Prog Heads und Avant Freaks mit Hang zum Jazzrock werden ihre Freude an diesem ausgesprochen genialen Werk haben. Absolute Empfehlung!
absolute-zero.net
VM
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