48 Cameras "I Swear I Saw Garlic Growing under my Father's Steps" (Carbon 7, 2007)

48 Cameras ist ein sehr ungewöhnliches Ensemble. Der erste Song, auf eigenwilliger Cello-Note, beißt in die Ohren; ein melodisch schwerfälliges Stück, das aus voller, dichter Harmonie lebt. Ähnlich, und ähnlich avantgardistisch beginnt das zweite Stück. Sprechgesang, nervöser Rhythmus, ein dicker, fast unbeweglicher Ton im Off und seltsame Computersounds zur Unterstützung für oder als Antwort auf die weibliche Stimme.
Eine CD so beginnen zu lassen, bedeutet, potentielle Fans vor eine Hürde zu stellen - die später in sich zusammenfällt.
Die 7 Musiker spielen 20 Instrumente, technisch versiert und dynamisch, haben aber wenig Interesse, sich hinlänglich bekannter musikalischer Struktur zu widmen. Vielmehr ist die CD mit dem langen Titel eine kunstvolle Zusammenstellung nahe elektronischer Musik mit starken Einflüssen aus der New Wave der achtziger Jahre, ein ambientes, zerfahrenes, melancholisches Popalbum mit reichlich schrägen, düsteren, atmosphärischen Sounds.
Die Tracks sind stimmungsintensiv, im nostalgischen Sound der 80er, aber wenig innovativ; sehr melodisch, aber mit wenig kompositorischem Inhalt; haben lautmalerisch bedeutungsschwangere Klänge, zu sphärisch-lyrischen Songs geschweißt, deren Klangeindruck sentimental und in aller eindrucksvollen Harmoniedichte erstaunlich anbiedernd und kitschig wirkt. Trotz der gesprochenen und gesungenen harten Texte, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Der angestrebte künstlerische Ausdruck ist nicht ausdrucksstark genug, zu sehr spielen die Songs mit bekannten, aus den 80ern stammenden, Tönen, die sich, wenn auch eigenartig und ungewöhnlich arrangiert, mit schmeichelhaft ambient-eleganter Note auf kratzig schrägen Sounds von New Wave über Ambient bis Electronic ausdrücken, zumeist ganz Pop, vor allem der sanfte weibliche Gesang.
Die gelungenen Tracks, etwa das abschließende "Sometimes God Smiles" oder "Here we Sailed & here we Drowned", bringen der runden, dunklen Zusammenstellung einige Qualität, die jedoch schnell wieder durch zu liebliche Klänge zunichte gemacht wird.
Dem potentiellen Publikum - nicht nur Kunstliebhaber(innen) jenseits der Dreißig - wird das Album gefallen, wenn sie es unkritisch als Soundkulisse nehmen.
Als was auch sonst?

48cameras.be.tf
carbon-7.com
VM



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